Ein neues Kampfflugzeug hat für die Artillerie gleich doppelte Bedeutung

Wer sicherheitspolitisch verantwortungsvoll und langfristig denkt, wird die Notwendigkeit eines neuen Kampfflugzeugs nicht bestreiten. Für die Artillerie ist ein modernes Kampfflugzeug gleich von doppelter Wichtigkeit. Einerseits ist die Artillerie auf den Schutz gegen Angriffe aus der Luft angewiesen und andererseits ergänzen sich Artilleriesysteme und Kampfflugzeuge bei der Bekämpfung von Bodenzielen.

Die Artillerie ist die Schwergewichtswaffe auf der Taktischen Stufe. Sie kann die Kampfkraft eines Gegners massiv herabsetzen, seine Handlungsfreiheit einschränken und das Gefecht der eigenen Kampfelemente unterstützen. Zusammen mit den Panzerverbänden bildet sie den Kern der mechanisierten Truppen, welche bei Bodenoperationen die Entscheidung herbeiführen. Damit sie jedoch ihre Kraft entfalten kann, ist sie auf die Unterstützung und Zusammenarbeit mit der Luftwaffe angewiesen.

F-5E Tiger II: Gegen Ende der Siebzigerjahre zum Zweck des Raumschutzes beschafft. Heutigen Anforderungen nicht mehr genügend. (Quelle: VBS)

Bedeutung 1: Für Mobilität braucht es Schutz aus der Luft

Mechanisierte Verbände zeichnen sich nicht nur durch ihre Feuerkraft und den hohen Schutz aus, sondern auch durch ihre Mobilität. Jener Fähigkeit, die Mittel bewegen und so rasche Schwergewichtsverlagerungen vornehmen zu können. Der Schutz von gepanzerten Fahrzeugen wirkt primär gegen direktes und indirektes Bodenfeuer. Um gegnerische Elemente am Boden selbständig bekämpfen zu können, sind die Fahrzeuge zusätzlich mit Abwehrbewaffnungen ausgerüstet. In der Artillerie hauptsächlich mit dem 12,7 mm Maschinengewehr 64. Zwar kann das Mg 64 auch gegen Luftziele verwendet werden. Dies aber lediglich auf 1’500 m Entfernung. Zudem stehen dem Schützen infolge der Geschwindigkeit von Luftzielen nur wenige Sekunden für die Schussabgabe zur Verfügung.(1)

Gegnerische Elemente aus der Luft können realistischerweise nicht selbständig bekämpft werden. Dazu sind mechanisierte Truppen zwingend auf die Luftwaffe angewiesen. Nebst den Kampfflugzeugen gehören dazu selbstverständlich auch die Mittel der bodengestützten Luftverteidigung. Ohne schützendes Dach in der dritten Dimension verlieren sämtliche Bodentruppen ihre Handlungsfreiheit. Und gerade mobile Elemente wie Panzer und Artillerie können kaum mehr eingesetzt werden. Sie müssten dauernd damit rechnen, aus der Luft vernichtet zu werden.(2)

So kraftvoll mechanisierte Verbände auch sind, ihre Einsatzfähigkeit wird bestimmt durch die Luftsituation in welcher sie zu kämpfen haben. Damit sie zum Einsatz gebracht werden können, ist mindestens eine vorteilhafte Luftsituation notwendig. Dies ist der niedrigste Grad an Kontrolle über den Luftraum und Voraussetzung für die erfolgreiche Durchführung der eigenen Bodenoperationen. Die Luftwaffe muss daher in der Lage sein zu verhindern, dass gegnerische Luftstreitkräfte ihre Waffen wirkungsvoll gegen unsere Bodentruppen einsetzen können.(3)

Die F/A-18 Hornet: In der Schweizer Version nicht erdkampffähig und kurz vor dem Ende der Nutzungsdauer. (Quelle: VBS)

Bedeutung 2: Joint Fires – koordinierter Einsatz gegen Bodenziele

Kampfflugzeuge verfügen über die Fähigkeit, rasch und weit in den gegnerischen Raum einzudringen. Sie können Ziele in der Tiefe bekämpfen, wie beispielsweise Führungseinrichtungen, Kommunikations- und Verkehrsinfrastruktur, militärische Schlüsselsysteme oder Ansammlungen von Truppen und Fahrzeugen. Für Luftangriffe wird sowohl ungelenkte oder (heutzutage immer häufiger) gelenkte Munition eingesetzt. Es können damit verheerende Schäden angerichtet werden. Die Reichweite kann bis mehrere hundert Kilometer betragen. Diese Waffenwirkung kann alleine schon als Druckmittel eingesetzt werden.

Beim Erdkampf, also Luftangriffe auf Bodenziele, werden grundsätzlich zwei Einsatzverfahren unterschieden: Zum einen die Abriegelung aus der Luft (Air Interdiction, AI). Sie umfasst die Bekämpfung gegnerischer Bodentruppen oder von diesen genutzte Infrastruktur. Der Luftangriff erfolgt, bevor Kampfhandlungen mit den eigenen Bodentruppen stattfinden. Der Gegner wird dadurch in seiner Mobilität eingeschränkt und seine Kampfkraft bereits geschwächt, bevor er auf die eigenen Kräfte trifft. Zum anderen besteht die Möglichkeit von Luftnahunterstützung (Close Air Support, CAS). Hierbei werden die eigenen Kampfverbände am Boden direkt unterstützt, sowohl in offensiven wie auch in defensiven Aktionen. Erfolgt eine koordinierte Feuerunterstützung von Artillerie und Luftwaffe, spricht man von Joint Fires (teilstreitkräfteübergreifendes Feuer).

Grundsätzlich können mit Luftangriffen ähnliche Ziele bekämpft werden wie mit Artilleriesystemen. Kampfflugzeuge verfügen aber über ein grösseres Wirkungsspektrum, welches auch die Bekämpfung von gehärteten Zielen (z.B. Bunker) oder Infrastruktur wie Brücken erlaubt, wozu die Kampfkraft der Artillerie nicht ausreicht.

Anders als bei der Artillerie sind Sensoren und Bewaffnung auf einer Plattform vereint. Ziele können sowohl aufgeklärt als auch bekämpft werden. Allerdings sind Kampfflugzeuge immer nur in einer kleinen Anzahl verfügbar und es besteht eine grosse Abhängigkeit von den Witterungsverhältnissen. Luftangriffe werden daher vor allem gegen Schlüsselziele durchgeführt, welche ausserhalb der Reichweite der Artillerie liegen.

Die in der Schweiz eingesetzte Rohrartillerie ist zusammen mit den Mitteln der Luftwaffe die einzig verfügbare Abstandswaffe. Bei der Bekämpfung von Bodenzielen ergänzen sich Kampfflugzeuge und Artilleriesysteme. Welches Mittel jeweils eingesetzt wird, ist abhängig vom Ort des Ziels, von der Bekämpfungspriorität und von zeitlichen Aspekten (Verfügbarkeit von Sensoren und Wirkmitteln).

Panzerhaubitze M109: Mobil und feuerstark, aber mit eingeschränkter Reichweite. (Quelle: Mech Br 11)

Quellen

1) Reglement 54.136, 12,7 mm Maschinengewehr 64
2) Reglement 56.090, Führung und Einsatz Luftwaffe
3) Reglement 52.055, Begriffe Führungsreglemente der Armee
4) VBS (Hg.). (2017). Luftverteidigung der Zukunft

Rückblick Herbsttagung 2019

Am 14.09.2019 fand im Stadttheater Olten die Herbsttagung zum Thema „Moderne Artilleriemunition“ statt. Rund 120 Teilnehmer (Mitglieder sowie in- und ausländische Gäste) folgten Referenten aus unterschiedlichen Bereichen. Oberstlt i Gst Dominik Belser, Of Op HEST, zeigte die Anforderungen an zukünftige Artilleriemuniton auf. Diese würde zusammen mit einem neuen Geschütz evaluiert und beschafft. Zwei Vertreter der Rüstungsindustrie sprachen zu aktuellen Entwicklungen im Spannungsfeld von Präzision, Reichweite und Wirkung. Abgerundet wurde die Tagung mit einem Referat von Div Thomas Süssli, C FUB, zum Thema „Cyber – Munition aus Bits und Bytes“. Er warnte die Artilleristen: Cyber schläft nie. Die immer grössere Vernetzung führe zu einer grösseren Verwundbarkeit auch von mechanisierten Verbänden. Daher gelte es in diesem Bereich mehr zu machen.

An der anschliessenden Generalversammlung wurden Oberst i Gst Martin Wohlfender, alt Präsident, und Hptm Silvan Schriber aus dem Vorstand verabschiedet. Neu gewählt wurden maj EMG Jean Garnier und lt Natacha Schopfer. Damit wurde die Vertretung der Suisse Romande gestärkt und eine Vertretung der jungen Kameraden mit Grad Lt/Oblt geschaffen.

Einige Impressionen finden Sie hier.

Für die Wirkung im Ziel ist entscheidend, welche Munition eigesetzt wird

Konventionelle Munition für den klassischen Einsatz von Artilleriefeuer gegen grossflächige Ziele hat generell an Bedeutung verloren. Zunehmende Wichtigkeit erhalten Munitionstypen mit hoher Präzision zur Bekämpfung von Einzelzielen in überbautem Gelände. Zudem muss eine moderne Artillerie auf eine Reichweite von bis zu 100 km wirken können.

Artilleriemunition für die 15,5-cm Panzerhaubitze M 109 besteht aus vier Komponenten: Primer, Ladung, Zünder und Geschoss. Der Primer veranlasst die Initialzündung der Ladung, welche für die Beschleunigung des Geschosses sorgt. Je nach Menge des abgebrannten Pulvers wird eine unterschiedliche Anfangsgeschwindigkeit und letztendlich Reichweite erreicht. Der Zünder ist für die Auslösung der Geschossdetonation verantwortlich, wobei unterschiedliche Mechanismen bestehen. Der Verzögerungszünder verzögert die Detonation nach dem Aufschlag um eine zuvor bestimmte Zeit. Beim Zeitzünder lässt sich der Zündzeitpunkt so einstellen, dass das Geschoss im Idealfall wenige Meter über Boden explodiert. Der Annahärungszünder veranlasst dies mit einem eingebauten Abstandsmesser. Alle Zünder können auch als Momentanzünder eingesetzt werden und zünden das Geschoss unmittelbar beim Aufschlag.

15.5-cm Granate mit Staustrahltriebwerk von Nammo
zur Steigerung der Reichweite bis 100 km. (Bild: Nammo AS)

Die eigentliche Wirkung wird von der eingesetzten Granate bestimmt. Nebst der Übungsgranate und dem Beleuchtungsgeschoss bestehen in der Schweizer Armee nur noch zwei Typen von 15,5-cm Artilleriegranaten. Die Stahlgranate kann grundsätzlich gegen alle Ziele eingesetzte werden. Sie hat aber nur gegenüber weichen Zielen genügend Wirkung. Bei halbharten Zielen kann nur eine indirekte, beschränkte Wirkung erzielt werden (Beschädigung der Antennen, Optronik, etc.). Zur Bekämpfung von harten Zielen besteht nur noch die 15,5-cm-Suchzündermunition für die Artillerie, SMArt 155. Dieses Geschoss besteht aus zwei Submunitionen, die nach einer voreingestellten Flugzeit ausgestossen werden und an einem Fallschirm über dem Zielgebiet herabsinken. Mit einer integrierten Sensorik suchen sie das Gebiet ab und können mittels Hohlladungsprengkopf auch gepanzerte Ziele zerstören. Die zwischen 1988 und 1999 beschafften Kanistergeschosse wurden mit der Ratifizierung des Übereinkommens über Streumunition auf Grund der hohen Blindgängerrate dieses Munitionstyps verboten. Die Schweiz hat bis Ende 2018 ihre Bestände von Streumunition entsorgt.(1)

Damit wurden die Fähigkeiten der Artillerie stark eingeschränkt. Nebst einer Reduktion der Reichweite auf 20 km, wirken konventionelle Stahlgranaten nur ungenügend gegen gepanzerte Ziele. Zudem sind SMArt Geschosse nur in geringen Stückzahlen vorhanden und eine intelligente Munitionssorte älterer Generation. Sie ist primär auf eine herkömmliche militärische Bedrohung ausgelegt, insbesondere die Bekämpfung von gepanzerten Fahrzeugen in offenem Gelände.(2)

Anforderungen an moderne Artilleriemunition

Die Armeebotschaft 2019 beinhalten einen PEB-Rahmenkredit (Projektierung, Erprobung und Beschaffungsvorbereitung), zur Vorbereitung der Beschaffung eines neuen 15,5-cm Artilleriesystems. Drei Anforderungen stehen dabei im Fokus: Mobilität, Präzision und Reichweite.3Während Mobilität ausschliesslich durch die Waffenplattform sichergestellt werden kann, sind Präzision und Reichweite auch eine Frage der eingesetzten Munition.

Verfahren zur Erhöhung der Präzision

Um die Präzision zu erhöhen, werden grundsätzlich drei Verfahren angewendet:

  • Endphasen gelenkte Munition: Bei dieser Methode wird eine konventionelle Granate mit verhältnismässig geringem (Kosten-)Aufwand in ein Präzisionsgeschoss umgewandelt. Dazu wird mithilfe eines spezieln Aufsatzes die Granate auf der absteigenden Flugbahn gegen die Zielkoordinate hingelenkt. Die Kosten für eine solche Granate liegen bei rund 10’000 Franken pro Stück.
  • GPS gesteuerte Munition: Die Zieldaten werden vor dem Abschuss programmiert. Bei Erreichung der Scheitelhöhe klappen Gleitflügel aus und das Geschoss steuert die programmierte GPS-Position an. Trotz grosser Reichweite schlägt das Geschoss in senkrechter Flugbahn im Ziel ein und eignete sich deshalb besonders für Einsätze in überbautem Gelände. Die Kosten liegen bei solchen Geschossen bei rund 80’000 – 100’000 Franken pro Stück.
  • Lasersteuerung: Dieses Konzept besteht seit den achtziger Jahren. Dabei wird das Geschoss mit einer Lasersteuerung ins Ziel gelenkt. Dieses muss bis zum Aufschlag mit einem Laser angestrahlt werden.(3)

Für eine präzisere Wirkung ist in allen Fällen auch eine präzisere Identifizierung und Beobachtung des Zieles notwendig. (4) Ebenso erhöht sich die Bedeutung der Meteodaten.

Mauerdurchschlag mit anschliessender Detonation eines 15,5-cm Sprenggeschosses DM121 von Rheinmetall. (Bild: Rheinmetall Waffe Munition GmbH)

Bestrebungen zur Reichweitensteigerung

Eine Möglichkeit zur Vergrösserung der Reichweite besteht darin, die aerodynamischen Eigenschaften des Geschosses zu verbessern oder die Luftwirbel, die sich hinter dem Geschoss bilden (sogenannter Bodensog), durch kleine Antriebsraketen zu reduzieren (Base-Bleed-Munition). Durch solche Verfahren lässt sich die Einsatzdistanz allerdings nur um einige Kilometer steigern. Revolutionärer erscheint die Verwendung eines Staustrahltriebwerks (engl. Ramjet). Vergleichbar mit einer Turbine wird Luft innerhalb der Granate verdichtet und so sollen Reichweiten bis 100 km möglich werden.

Eine Reichweitenerhöhung ist darüber hinaus auch durch die Verwendung grösserer Ladungen und von Pulver mit höherer Brisanz möglich, was jedoch gleichzeitige massive Anpassungen und Eingriffe an der Konstruktion des Geschützes erfordert (längeres Rohr, grössere Ladungskammer, Verstärkung bei der Panzerhaubitze).(5)

Erneuerungsbedarf der Artilleriemunition

Im Bereich Artilleriemunition bestehen in der Schweiz bereits heute gravierende Lücken. Zudem hat der vorhandene Munitionsbestand ein hohes Durchschnittsalter. In den 2020er und 2030er Jahren wird der Grossteil der Munition ihr Nutzungsende erreichen.5Für die SOGART ist es wichtig, dass bei der Erneuerung des Artilleriesystems nicht nur auf die Waffenplattform fokussiert wird. Ebenso bedeutend ist die Beschaffung moderner Artilleriemunition. Die teuren Beschaffungs- und Unterhaltskosten insbesondere von Präzisionsmunition, werden eine Erneuerung nur in kleinem Umfang ermöglichen. Engpässe müssen also in Kauf genommen werden, diese sind vorgängig aber genau abzuwägen.

Quellen

(1) VBS (Hg.). (2019). Entsorgung von Streumunition der Schweizer Armee abgeschlossen
(2) Bundesrat. (2016). Zukunft der Artillerie, Bericht in Erfüllung des Postulates 11.3752
(3) Bundesrat. (2019). Armeebotschaft 2019
(4) Gafner, B. (2019). Interview mit Div R. Wellinger. Tagesanzeiger5) VBS (Hg.). (2019).Zukunft der Bodentruppen

Die SOGART setzt sich für eine moderne Artillerie ein

Die Artillerie ist die Schwergewichtswaffe auf der Taktischen Stufe. Sie kann die Kampfkraft eines Gegners massiv herabsetzen, seine Handlungsfreiheit einschränken und das Gefecht der eigenen Kampfelemente unterstützen. Die Wichtigkeit des indirekten Feuers vertritt die SOGART unterstützen.

Am 2. März 1984 wurde in Luzern die «Schweizerische Gesellschaft der Offiziere der Festungstruppen» (SGOF) gegründet. Diese stand unter dem Zeichen, die Belange der kurz zuvor gebildeten Festungstruppen bei den zuständigen Behörden und in der Öffentlichkeit gebührend zu vertreten. Es bestand die Ansicht, dass Bewaffnung, Ausrüstung und Ausbildung trotz der Bildung dieser neuen Waffengattung vernachlässigt wurden. Rasch darauf wurde erkannt, dass die mobile Artillerie mit gleichen Herausforderungen konfrontiert ist. Mit weitsichtigem Blick war man sich einig, zukünftig für eine gemeinsame Artillerie (mob/Fest) einzustehen. Somit wurde die Gesellschaft 1988 zur «Schweizerischen Offiziersgesellschaft der Artillerie und Festungstruppen» (SOGAF) umbenannt und der Vereinszweck entsprechend ergänzt. Später wurde auch die Schweizerische Gesellschaft der Artillerie-Übermittlungsoffiziere integriert. Die Armee XXI schaffte die Festungstruppen als eigenständige Truppengattung ab und gab den weitblickenden Festungsartilleristen von 1988 Recht, denn fortan gab es nur noch eine Artillerie. Diese beinhaltet alle Bogenschusswaffen mit einem Kaliber ab 12cm. Folglich fand die Umbenennung von SOGAF zur «Schweizerischen Offiziersgesellschaft der Artillerie» (SOGART) statt. Mit diesem Schritt wurde unterstrichen, dass die SOGART alle Artilleristen der Armee vertritt.(1)

Die Artillerie wegweisend geprägt: Alt Präsidenten der SOGART

Heutige Bedeutung von indirektem Feuer

Indirektes Feuer wird praktisch in allen militärischen Konflikten eingesetzt. Es bestehen keine Anzeichen, dass sich daran in absehbarer Zukunft etwas ändern würde. Jüngstes Beispiel für das Potential der Artillerie aus dem Ukraine-Krieg ist die Zerschlagung von zwei ukrainischen Bataillonen der 24. Mechanisierten Brigade innerhalb weniger Minuten.(2) In Europa gibt es denn auch keine Armee, die auf indirektes Feuer verzichtet. Auch wenn die Anzahl der Geschütze in vielen Ländern reduziert wurde, wird die Fähigkeit Kampftruppen auf unterschiedliche Distanzen mit Artilleriefeuer zu unterstützen, praktisch überall weiterentwickelt. Dabei wird angestrebt mit zahlenmässig weniger Mittel, gleiche oder grössere Wirkung zu erzielen.

Zustand des Artilleriesystems in der Schweiz

Unsere heutige Artillerie umfasst alle Elemente, die zur Planung, Führung und Leitung von indirektem Feuer benötigt werden. In diesem Sinne ist das Gesamtsystem vollständig vorhanden. Es entspricht aber nicht allen Einsatzanforderungen. Mängel bestehen insbesondere in vier Bereichen:

1. Reichweite: Mit dem Verlust der Kanistermunition hat sich die Reichweite von 27 auf rund 20km verkürzt. Hingegen kann mit weitreichenden Artilleriesystemen (über 50km) aus dem grenznahen Ausland auf fast alle Gebiete in der Schweiz geschossen werden.

2. Präzision: Beide in der Schweizer Armee verfügbaren intelligenten Munitionssorten (15.5cm-Suchzündermunition SMArt 155 und 12-cm STRIX-Munition) sind von älterer Generation. Sie sind primär auf die Bekämpfung von gepanzerten Fahrzeugen in offenem Gelände ausgelegt.

3. Mobilität: Zahlreiche Führungs- und Logistikfahrzeuge sind Raupenfahrzeugen, welche auf dem über 50-jährigen Schützenpanzer M-113 basieren und hohe Betriebskosten verursachen.

4. Einsatzverfahren: Die heutigen Abläufe sind primär auf eine Auseinandersetzung mit einem konventionellen Gegner ausgerichtet. So ist es mit dem Fargo-System (Berechnung der Flugbahn) nicht möglich, mit einzelnen Geschützen gleichzeitig auf mehrere Ziele zu schiessen.

Den Mängeln gegenüberzustellen sind insbesondere zwei laufende Verbesserungen:

1. Mörser 16: Damit wird die Lücke des indirekten Feuers auf kurzer Distanz (bis 10km) geschlossen. Zudem wird den Einsatzverbände die Möglichkeit gegeben gerade im überbauten Gebiet auch Einzelziele zu bekämpfen.

2. Taktisches Aufklärungssystem (TASYS): Die Aufklärungs- und Beobachtungsmittel werden so organisiert, dass nebst den Schiesskommandanten auch den Aufklärern das Leiten von Unterstützungsfeuer ermöglicht wird. Dies bewirkt eine Vervielfachung der so wichtigen Sensoren.(3)

Notwendige Modernisierung der Artillerie

Verschiedene Komponenten des Gesamtsystems Artillerie werden ab 2025 die Grenzen ihrer technischen Nutzungsdauer erreichen. Dies trifft insbesondere auf die Panzerhaubitze M-109 zu, die Waffenplattform für indirekte Feuerunterstützung mittlerer Distanz (10-50km). Für deren Ablösung bestehen zahlreiche Optionen, von Ersatz durch moderne Geschütze in geringerer oder gleicher Anzahl über eine erneute Kampfwertsteigerung, einer zwei Flottenstrategie bis hin zum Verzicht auf Artillerie mittlerer Reichweite.

Die SOGART geht stets mit der Zeit: Besichtigung 12 cm-Mörser 16

Bevor jedoch einzelne Komponenten erneuert werden, müssen die Anforderungen an die zukünftige Artillerie klar definiert sein. Dabei wird man um ein bewusstes in Kaufnehmen von Fähigkeitslücken aus Kostengründen nicht herumkommen. Erschwerend kommen zwei Entwicklungen hinzu, welche gewichtig zu berücksichtigen sind:

1. Die zunehmende Zersiedelung und Verstädterung machen eine Bekämpfung von gepanzerten Fahrzeugen in offenem Gelände immer unwahrscheinlicher. Wichtiger werden Einzelziele in überbautem Gebiet, wobei es Kollateralschäden an der Zivilbevölkerung und Infrastruktur zu vermeiden gilt.

2. Eine hybride Bedrohung zwingt die Armee ein breites Spektrum militärischer Herausforderungen zu bewältigen. Fähigkeiten sich in einem Gefechtsfeld mit staatlichen und nichtstaatlichen Akteuren durchzusetzen, gilt es auch bei der Artillerie aufzubauen.(4)

Der SOGART erscheint es wichtig, den Anforderungskatalog einer modernen Artillerie rasch zu definieren, sodass ein Ersatz der wesentlichen Komponenten des Waffensystems Artillerie ab 2025 bereitsteht.

Quellen

(1) Kevin Guerrero und Peter E. Leuthold, 20-Jahr-Jubiläum: Von der SGOF zur SOGART, SOGAFLASH 2005, S. 37-38.
(2) Frank Leidenberger (Hg.), Thesenpapier I, Wie kämpfen Landstreitkräfte künftig?, S. 6.
(3) Generalsekretariat VBS (Hg.) Projektbericht VBS, Projektbeurteilung per 31.12. 2017, S. 44.
(4) Zukunft der Artillerie, Bericht des Bundesrates in Erfüllung des Postulates 11.3752, 2016.