Rückblick Herbsttagung 2017

Die Teilnehmer beim aktiven Ausprobieren der Vectronix Geräte

Die Herbsttagung zum Thema Artillerieaufklärung fand am 16.09.2017 im Armee-Ausbildungszentrum Luzern (AAL) statt. Es referierten Bundesrat Guy Parmelin, Chef VBS, und Brigadier René Wellinger, Kommandant Lehrverband Panzer und Artillerie. Grussworte des Kantons Luzern überbrachte Regierungsrat Paul Winiker, Vorsteher des Justiz- und Sicherheitsdepartementes des Kantons Luzern, sowie Oberst i Gst Stefan Holenstein, Präsident der SOG. Am Nachmittag hatten die Teilnehmer die Gelegenheit, die modernen Beobachtungs- und Zielvermessungsinstrumente von Safran Vectronix selbst auszuprobieren.

Artillerieaufklärung

Die Artillerie muss als Gesamtsystem verstanden werden. Dieses umfasst neben der Waffe inklusive Munition, die Aufklärung, die Führung und die Logistik. Um das Artilleriefeuer rasch und genau ins Ziel zu bringen muss das System Artillerie über geeignete Sensoren zur Lage-, Ziel- und Wirkungsaufklärung verfügen.

Die Artillerie schafft die Voraussetzungen für den Erfolg durch Kampf mit Feuer und Feuerunterstützung. Sie trägt im Kampf der verbundenen Waffen entscheidend dazu bei, den Gegner und vor allem seine indirekt schiessenden Unterstützungswaffen zu zerschlagen. Ein vorhandenes Ungleichgewicht der Kräfte ist durch mehr und wirkungsvolles Feuer auszugleichen. Dies trifft auch für das moderne Gefechtsfeld im überbauten Gelände und bei einem asymmetrisch kämpfenden Gegner zu. Hier sind die folgenden Anforderungen an die Artillerie und damit auch die Artillerieaufklärung sogar von noch grösserer Bedeutung.

Anforderungen

Eine moderne Artillerie muss schnell, präzise, wirkungsvoll und überraschend schiessen können. Die Sensoren zur Lageverfolgung und Zielbezeichnung müssen daher befähigt sein, den Gegner schnell, bei Tag und bei Nacht, bei jeder Witterung und im überbauten Gebiet aufzuklären. Ziele müssen zweifelsfrei identifiziert werden können, um Kollateralschäden und «friendly fire» zu vermeiden. Da vom feindlichen Artilleriefeuer für die eigenen Bodentruppen eine grosse Gefahr ausgeht, müssen die eigenen Sensoren in der Lage sein, gegnerische Artillerie (Mörser, Kanonen, Selbstfahrgeschütze und Raketenwerfer) aufzuklären und als Ziel für die eigene Artillerie oder die erdkampffähige Luftwaffe zu bezeichnen. Dabei kann die Beobachtungsdistanz von einigen hundert Metern im Kampf im überbauten Gelände (KIUG) bis zu mehrere Kilometer beim Einsatz hinter den feindlichen Linien zum Beispiel mittels Drohnen betragen. 

Artillerieaufklärung heute

Fahrzeug des mechanisierten SKdt.

Die Artillerieaufklärung basiert heute auf dem Auge des Schiesskommandanten (SKdt). Dieses wird unterstützt durch Zielbestimmungs- und Vermessungsanlagen auf Fahrzeugen (Mowag EAGLE oder Puch) und der Drohne ADS-95 RANGER. Abhängig von den Wetterbedingungen ist damit Lage-, Ziel- und Wirkungsaufklärung bei Tag und bei Nacht möglich. Nur der motorisierte SKdt (Puch) kann im abgesetzten Betrieb zum Beispiel im KIUG eingesetzt werden. Die Genauigkeit der Zielbestimmung reicht für den Einsatz von Präzisionsmunition allerdings nicht aus. Für letzteren fehlt es auch an der Verfügbarkeit von Wetterdaten entlang der Flugbahn sowie im Zielgebiet. Die SKdt sind über das Integrierte Artillerie Feuerführungs- und Feuerleitsystem (INTAFF) in den Nachrichtenverbund der Brigaden eingebunden. Allerdings ist das Netz von Aufklärung, Nachrichtenbeschaffung und Beobachtung für den Artillerieeinsatz gegen einen schwer identifizierbaren Gegner zu wenig dicht. 

Arbeitsplatz des mechanisierten SKdt im Fahrzeuginnern.

Artillerieaufklärung morgen

Für eine wirkungsvolle Artillerieaufklärung sind wie bei den anderen Elementen des Systems Artillerie folgende Fähigkeiten entscheidend: Reichweite – Präzision – Mobilität – Schutz. 

Reichweite in Bezug auf die Sensoren bedeutet vor allem die Fähigkeit, über ein breites Spektrum von Beobachtungsdistanzen bei Tag, bei Nacht und bei jedem Wetter zeitverzugslos den Gegner aufzuklären und lohnende Ziele zu bestimmen.

Dabei muss die Präzision der Zielbestimmung mit der Präzision der eingesetzten Munition übereinstimmen, um Kollateralschäden und «friendly fire» zu minimieren. Ausserdem müssen Wetterdaten entlang der Flugbahn sowie im Zielgebiet ermittelt werden können. 

Mobilität im KIUG bedeutet die Fähigkeit, Sensoren auch im abgesetzten Betrieb einsetzen zu können. Die dazu benötigte Zielvermessungs-, Beobachtungs- und Übermittlungsausrüstung muss «auf Mann» mitgeführt werden können. 

Der Schutz der Sensoren umfasst die Fähigkeit, sich auf dem Gefechtsfeld in einem gepanzerten Fahrzeug verschieben und mittels Bordwaffen gegnerisches Feuer zum Selbstschutz erwidern zu können. 

Damit die Artillerie zum Konterfeuer befähigt ist, benötigt die Artillerieaufklärung ausserdem optronische Sensoren und Flugbahnradar. Für die Zielbezeichnung in der Tiefe des Raumes sind taktische Drohnensysteme geeignet, während Mini-Drohnen im KIUG eingesetzt werden können. Die Sensoren sind über das INTAFF in den Nachrichtenverbund der Brigaden einzubinden und das Netz von Aufklärung, Nachrichtenbeschaffung und Beobachtung ist für einen Artillerieeinsatz gegen einen schwer identifizierbaren Gegner im KIUG zu verdichten. Die Fähigkeit des Sensors, ein Ziel mittels Laser für die Vernichtung markieren zu können, hängt mit dem Vorhandensein der entsprechenden Munition zusammen. 

Mini-Drohne (RQ-11B Raven, AeroVironment).

Fazit

Aus dem oben dargestellten Soll-Ist-Vergleich ergibt sich eine Fähigkeitslücke bei der Schweizer Artillerieaufklärung. Soll diese geschlossen werden, sind auch unkonventionelle Ansätze wie folgt zu berücksichtigen: 

  • Befähigung aller im KIUG eingesetzten Truppen zur Zielbezeichnung, Anforderung und Leitung des Bogenfeuers mittels einfacher Feuerführungs- und Feuerleitverfahren.
  • Einsatz von Mini-Drohnen, Helmkameras und weiteren technischen Mitteln zur Aufklärung des Gegners.
  • Zusammenfassung der Ausbildung von Aufklärern und Schiesskommandanten der Artillerie.

Weiter ist auch die Beschaffung von neuer Zielvermessungs- und Beobachtungsausrüstung sowie von neuen Plattformen anzugehen. Denn nur mit einer modernen Ausrüstung der Komponente Aufklärung kann das System Artillerie seine Aufgabe auch in Zukunft erfüllen und den Feuerkampf mit Aussicht auf Erfolg führen. Das System Artillerie ist nur so stark, wie sein schwächstes Glied.

Operatives Feuer

Das operative Feuer bezweckt primär das Zerschlagen von gegnerischen Feuerbasen und Bereitstellungen in der Tiefe des Raumes oder auf den Flanken sowie die Abriegelung des Gefechtsfeldes. Für das Schiessen von operativem Feuer kommen Rohr- und Raketenartillerie sowie die Luftwaffe in Frage.

Artillerie und Luftwaffe moderner Armeen schaffen mit operativem Feuer günstige Voraussetzungen für die unmittelbaren Operationen der Bodentruppen. Die Schweizer Armee verfügt für Operationen in die Tiefe über keine geeigneten Mittel. Über die Fähigkeit operatives Feuer über Distanzen von mindestens 50 km zu schiessen, verfügte die Schweizer Artillerie noch nie. Seit der Ausserdienststellung der als Jagdbomber eingesetzten Hunter-Kampfflugzeuge im Jahr 1994 verfügt auch die Schweizer Luftwaffe über keine Fähigkeiten mehr, Bodentruppen auf grosse Distanz mit Feuer zu unterstützen oder den allgemeinen Feuerkampf zu führen. 

Braucht die Schweizer Armee operatives Feuer?

Würde man sich bei der Antwort auf die Wahrscheinlichkeit konventionell geführter Kriege in Mitteleuropa, auf den in aktuellen Konflikten vorherrschenden Kampf im überbauten Gelände (KIUG) und mögliche Kooperationen mit Ländern, die über die Fähigkeit zum operativen Feuer verfügen, abstützen, könnte man versucht sein, dies zu verneinen. Wenn wir uns hingegen an den in Europa heute vorhandenen Potentialen und Fähigkeiten zum operativen Feuer orientieren, muss diese Frage mit ja beantwortet werden. In diesem Zusammenhang muss der früher hinlänglich bekannte Begriff der Dissuasion – vor allem bei der nach dem kalten Krieg geborenen Offiziersgeneration – wieder bekannt gemacht werden. Es geht darum, den Gegner durch eine vorhandene Fähigkeit (z.B. die Fähigkeit der eigenen Artillerie und der eigenen Luftwaffe operatives Feuer zu schiessen) von einer geplanten Aktion abzuhalten. Oder, wie es ein deutscher Finanzminister einmal formuliert hat: «Die siebte Kavallerie im Fort Yuma muss nicht unbedingt ausreiten. Die Indianer müssen nur wissen, dass es sie gibt.» 

Raketenartillerie

LARS (Leichtes Artillerieraketensystem 110 SF auf Fahrgestell MAN 6×6).

Während bei einem Kanonenschuss die Granate durch die Entzündung der Pulvertreibladung aus dem Geschützrohr in den Luftraum herausgeschleudert und dann von der Anziehungskraft der Erde zunehmend nach unten abgelenkt wird, trägt das Raketengeschoss die zu seiner Fortbewegung notwendige Treibkraft durch die Verbrennung eines Raketentriebsatzes in sich. Beim Kanonenschuss wird die Reichweite somit von der Anfangsgeschwindigkeit und den Einflüssen auf der Flugbahn bestimmt. Beim Raketenschuss hingegen hängt die Reichweite von der Kraftentfaltung und der Brenndauer des Raketentreibsatzes ab.

HIMARS (High Mobility Artillery Rocket System) von Lockheed Martin.

Aktuelle Raketenartilleriesysteme verfügen über unterschiedliche Reichweiten. Während beispielsweise das Leichte Artillerieraketensystem (LARS) über eine Reichweite von rund 14 km verfügt, beträgt diese beim Multiple Launch Rocket System (MLRS) rund 40 km und das High Mobility Artillery Rocket System (HIMARS) erreicht Ziele auf über 300 km. Die Boden-Boden-Rakete ISKANDER erreicht sogar 500 km entfernte Ziele mit einer Genauigkeit von 7 – 30 Metern, verfügt über ein Abschussintervall von 1 Minute und ist innert 4 – 15 Minuten ab Erreichen des Stellungsraumes feuerbereit. Daher hat ein russischer Militärattaché zu Recht festgehalten, dass «mit der Raketenartillerie Leben gerettet werden». Gemeint hat er die Leben der eigenen Bodentruppen und der eigenen Zivilbevölkerung. Wir verweisen auf die oben gemachten Ausführungen zur Dissuasion.

Boden-Boden-Rakete Iskander von KBM.

Luftwaffe

Im Jahr 2001 hat der damalige Kommandant der Fliegerbrigade 31 mit Verweis auf die Konzeptstudie zur Armee XXI darauf hingewiesen, dass für die Fähigkeit zu operativem Feuer durch die Luftwaffe 10 Kampfflugzeuge für die Aufklärung, 20 Kampfflugzeuge für die offensive Luftverteidigung und 10 Erdkampfflugzeuge zusätzlich zur bestehenden Flotte benötigt würden. Die mögliche Einsatzdistanz hat er mit 1’000 km angegeben, weil der hauptsächliche Gegner immer noch die gegnerische Luftwaffe sei, die selbst in der Lage ist, operatives Feuer zu schiessen. 

Erkenntnis

Ohne eigenes operatives Feuer können die eigenen taktischen Bogenschusswaffen (Mörser, Kanonen, Selbstfahrgeschütze) so lange vom Gegner bekämpft werden, dass sie ihre Aufgabe in der unmittelbaren Feuerunterstützung der eigenen Kampfbataillone gar nicht mehr wahrnehmen können. Eine weitere Erkenntnis besteht darin, dass Operationen in die Tiefe nur mit operativem Feuer unterstützt werden können. Der Zielkatalog für operatives Feuer umfasst dabei gegnerische Bereitstellungen, Bereitschafts- und Stellungsräume der gegnerischen Artillerie sowie Führungs- und Logistikeinrichtungen.

Konsequenzen

Schon im Jahr 1945 hat Major Kuenzy in der ASMZ die Einführung der Raketenartillerie in der Schweizer Armee befürwortet und die Fähigkeit zu operativem Feuer gefordert. Im Jahr 2001 hat der damalige USC Operationen im Generalstab operatives Feuer der Luftwaffe und der Artillerie für die Armee XXI mit Reichweiten von mindestens 100 km gefordert. Im selben Jahr hat der damalige Kommandant des Gebirgsarmeekorps 3 folgende Konsequenzen gezogen, die heute nach wie vor gelten:

  • Die heutige Lücke beim operativen Feuer und bei den entsprechenden Aufklärungs- und Beobachtungsmittel muss zwingend geschlossen werden, sonst ist ein Aufmarsch der eigenen Truppen in Frage gestellt. Dabei spielt die Herkunft des operativen Feuers keine Rolle: Dieses kann sowohl durch die Artillerie als auch durch die Luftwaffe sichergestellt werden.
  • Mittel, welche im Bereich der Operationen in der Tiefe des Raumes eingesetzt werden sollen, müssen über hervorragenden Schutz, Tarnungs- und Täuschungsmöglichkeiten verfügen, da sie stets unter Feuer liegen werden. Wenn immer möglich ist auf Mittel zurückzugreifen, die sich der gegnerischen Aufklärung weitgehend entziehen können.
  • Es sind zwingend und in hoher Priorität Mittel zur Aufklärung und Feuermittel der operativen Stufe zu beschaffen.

Konterfeuer

Konterfeuer ist nicht nur eine gefährliche Bedrohung für die eigene Artillerie, sondern gleichzeitig eine wichtige Aufgabe der eigenen Bogenschusswaffen. Dabei muss die Artillerie als Gesamtsystem verstanden werden. Dieses umfasst neben der Waffe inklusive Munition, die Aufklärung, die Führung und die Logistik.

Ein Hauptaugenmerk jeder Krieg führenden Partei wird sich auf die gegnerische Artillerie richten, da das gegnerische Artilleriefeuer eine der grössten Gefahren für Landstreitkräfte darstellt. Das Ausschalten des gegnerischen Unterstützungsfeuers gehört somit zu den primären Zielen militärischer Aktionen. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Konflikt symmetrisch oder asymmetrisch ausgetragen wird. Unter den vier Hauptbedrohungen für die eigene Artillerie (Konterfeuer, Luftangriffe, Fernverminung und elektronische Kriegsführung) ist das Konterfeuer deshalb so gefährlich, weil in Europa heute grosse Potentiale im Bereich der Bogenschusswaffen inklusive Raketenartillerie vorhanden sind, die jüngst wieder ausgebaut werden.

Definition

Konterfeuer ist der Einsatz der eigenen Artillerie auf erkannte Stellungen gegnerischer Unterstützungswaffen (Mörser, Kanonen, Selbstfahrgeschütze und Raketenwerfer) vor, während und nach deren Feuereröffnung. Mit den heutigen Möglichkeiten der Aufklärung kann die gegnerische Artillerie im Feuerkampf innerhalb von 3 bis 5 Minuten ab deren Feuereröffnung mit eigenen Bogenschusswaffen bekämpft werden. Moderne Munitionssorten, insbesondere selbstzielsuchende und endphasengelenkte Präzisionsmunition, erlauben die Bekämpfung von Batteriestellungen aber auch von Einzelgeschützen, erschweren ein rasches Verlassen der Feuerstellungen und zerschlagen Geschütze und Mannschaften. Um dem gegnerischen Konterfeuer Stand zu halten und um eigenes Konterfeuer schiessen zu können, muss die eigene Artillerie über folgende Fähigkeiten verfügen: Reichweite – Präzision – Mobilität – Schutz.

Reichweite und Präzision

Auf kurze Distanzen (- 10 km) ist die Fähigkeit erforderlich, gegnerische Feuerstellungen mit präzisem Steilfeuer zu bekämpfen. Auf mittlere Distanzen (10 – 50 km) muss die Artillerie befähigt sein, die gegnerische Artillerie mit Konterfeuer zu zerschlagen. Dabei muss die Reichweite der eigenen Artillerie sich an der Reichweite der gegnerischen Artillerie orientieren. Wobei sich näher an die gegnerische Artillerie heranwagen kann, wer über grössere Flexibilität verfügt. Es geht darum, hochmobil mit ungefähr «gleich langen Spiessen» kämpfen zu können. Auch ausserhalb der Einsatzräume der Brigaden, d.h. auf grosse Distanzen (über 50 km) muss die Konterfeuerfähigkeit bestehen. Dabei ist die Frage nach luft- oder bodengestützten Waffenplattformen sekundär.

Die Fähigkeit zur Reichweite bezieht sich nicht nur auf das Artilleriegeschütz. Entscheidend ist, dass auch die Artillerieaufklärung über entsprechende Fähigkeiten und Mittel (Flugbahnradar, Schall- und Sichtaufklärung) verfügt. Hier besteht in der Schweizer Artillerie eine Fähigkeitslücke; ja man muss feststellen, dass unsere Artillerie auf grosse Distanzen «blind» ist und es übrigens schon immer war. Die Artillerieaufklärung ist daher zu befähigen, für Konterfeuer lohnende Ziele mit der notwendigen Präzision rechtzeitig zu bezeichnen.

Mit einer grösseren Reichweite nimmt die Streuung zu und die Präzision ab. Durch den Einsatz längerer Geschützrohre, verbesserter Treibladungen, Massnahmen zur Geschossstabilisierung auf der Flugbahn und selbstzielsuchender Munition kann die Präzision verbessert werden. Präzision beim Konterfeuer ist entscheidend, weil die Artillerie des Gegners nicht mehr aus kompakten Stellungen feuert oder ihre Batterien linear aufgestellt werden. Das ist nur der Fall, wenn die Konterfeuerfähigkeit der gegnerischen Artillerie nicht, die eigene Luftüberlegenheit hingegen sehr wohl vorhanden sind. Das Feuer eines einzelnen Geschützes, eines Mörsers oder eines Raketenwerfers ist die Regel. Diese Konterfeuerziele können nur mit präziser Munition bekämpft werden. 

Wie die Reichweite ist auch die Präzision nicht nur für Waffe und Munition sondern auch für die Artillerieaufklärung zu fordern. Weiter muss das Feuerführungs- und Feuerleitsystem der Artillerie Aufklärungs- und Zieldaten über alle Distanzen zeitverzugslos verarbeiten können. Hochpräzises Konterfeuer auf eine 50 km entfernte gegnerische Artilleriestellung ist wirkungslos, wenn es zu spät – also nachdem die gegnerische Artillerie die Stellung bereits wieder verlassen hat – erfolgt. 

Mobilität und Schutz

Alle Elemente des Systems Artillerie müssen über eine hohe Mobilität verfügen. Das gilt insbesondere für die durch Konterfeuer am stärksten bedrohten Waffenplattformen. Bei der Frage nach einer rad- oder raupenbasierten Plattform ist zu berücksichtigen, dass Radfahrzeuge auf befestigten Strassen und im offenen Gelände über Vorteile verfügen, während Raupenfahrzeuge bei der Überwindung von Hindernissen infolge starken Trümmerwurfs eine höhere Mobilität aufweisen. Entscheidend ist nicht nur, dass sich die unter Konterfeuer stehende Artillerie dem Feuer rasch entziehen kann, besser ist es, nach einem eigenen Feuerschlag die Stellung zu verlassen, bevor die Aufklärungsergebnisse (Flugbahnradar) des Gegners in Zielkoordinaten umgewandelt werden können und das gegnerische Konterfeuer beginnt. Steht ein eigener Artillerieverband bereits unter Konterfeuer, ist die Fähigkeit zum Schutz der Besatzungen und der Waffe mittels Panzerung entscheidend. Wobei mehr Panzerung aufgrund des höheren Gewichtes die Mobilität einschränkt.

Fazit

Konterfeuer ist nicht nur eine Aufgabe der eigenen Artillerie, sondern gleichzeitig eine der grössten Bedrohung für die eigenen Bogenschusswaffen. Wenn wir uns an den in Europa heute vorhandenen Potentialen orientieren, kommen wir zum Schluss, dass die Schweizer Artillerie auf alle Distanzen zum Konterfeuer befähigt sein muss. Oder wie es General Guisan ausgedrückt hat: «Eine Artillerie, die nicht zum Konterfeuer befähigt ist, verdient den Namen Artillerie nicht.» Konsequenz: Alle Elemente des Systems Artillerie sind für das Konterfeuer zu befähigen.